Willem van Ruysbroeck (Wilhelm von Rubruk, ca. 1215 bis 1270) brach am 7. Mai 1253 von Konstantinopel aus gen Osten auf.

Der in Paris ausgebildete, lateinisch schreibende, einen mittelfränkischen Dialekt sprechende Franziskanermönch im Dienste des französischen Königs entstammte dem seit dem Vertrag von Verdun 843 staatsrechtlich an das Westfrankenreich angegliederten Teil Flanderns. Sein 1255 in Akkon in Latein niedergelegte Reisebericht Itinerarium fratris Willielmi de Rubruquis de ordine fratrum Minorum, Galli, Anno gratia 1253 ad partes Orientales beschreibt die erste Reise eines Deutschen nach Ostasien. Am 27. Dezember 1253 traf er nach einer Reise von 9000 Kilometern in der mongolischen Hauptstadt Karakorum ein.

Sein Versuch, den Mongolen-Khan Möngke, der ihn am 4. Januar 1254 empfangen hatte, bis zu seiner Abreise am 10. Juli 1254 zum Christentum zu konvertieren, scheiterte, denn dieser stand in der kosmologisch-schamanistischen Tradition des transzendenten Weltenherrschers, dem alle Religionen zu dienen hatten und der deshalb keiner Religion den Vorzug gab.

Willem meinte, in Möngke Khan den Großneffen des legendären Priesterfürsten Johannes entdeckt zu haben. Der Auftrag, den präsumtiven Nachfolger des Priesterfürsten als Verbündeten gegen den Islam zu gewinnen, mißlang. Willems Bericht nennt "Vut", Herrn der Keraiten und "Bruder des nestorianischen Königs Johannes", der von Temüdschin (Dschingis Khan) besiegt worden sei. Temüdschin habe "Vuts" Tochter geraubt und seinem Sohn zur Frau gegeben. Tatsächlich hatte Dschingis Khan seinen Sohn Tolui mit Sorkaktani Beki (gest. 1252), der nestorianischen Nichte des von ihn besiegten Keraiten-Khans Toghrul, verheiratet. Sorkaktani Beki war eine der einflußreichsten Frauen ihrer Zeit und hat die Grundlagen geschaffen für die spätere Herrschaft ihrer Söhne Möngke, Hulagu, Kublai und Arigkbugha. Willem schreibt, daß sowohl der spätere Großkhan Arigkbugha als auch der Begründer der Il-Khane, Hulagu, Sympathien für die Religion ihrer Mutter empfanden.

Seine intensiven Bemühungen, die mongolischen Eliten von den Vorteilen eines militärischen Bündnisses von Mongolen und Christen in Outremer gegen die Ayyubiden, die 1244-1247 Jerusalem, Tiberias und Askalon erobert hatten, und gegen die ihnen 1250 nachgefolgten Mameluken-Sultane zu überzeugen, scheiterten nicht ganz. Hulagu, der ebenfalls mit einer nestorianischen Keraiten-Prinzessin verheiratet war, sollte wenige Jahre später die Mongolenheere nach Persien und ins Abbasiden-Kalifat führen. 1258 wurde Bagdad erobert. Nach der Niederlage eines Mongolenheeres 1260 gegen die Mameluken, griff Hulagu die Idee Willems wieder auf. Er und seine Nachfolger Abaqa, Arghun und Ghazan versuchten wiederholt ein franko-mongolisches Bündnis (mit den christlichen Staaten Kilikien, Antiochia, Edessa und Byzanz) gegen die Mameluken und Seldschuken zu schmieden. Sein Enkel Arghun versprach sogar, sich nach einer erfolgreichen Eroberung Jerusalems taufen zu lassen. Der Erfolg der "christlichen" Allianz blieb aber aus und führte bei Ghazan, der Christ war, zu einer Kehrtwende: Er trat am 16. Juni 1295 aus bündnispolitischen Gründen zum Islam über.

Willems Reisebeschreibung war geprägt von einer scharfen Beobachtungsgabe, die sich nicht wie viele frühere Reiseberichte auf Schauermärchen, Fabeln und Hörensagen stützte. Er lieferte die erste verläßliche Beschreibung mongolischer Sitten, Gebräuche und Glaubensinhalte. Durch Willem wurde die innerasiatische Verbreitung des Islam und das Vorhandensein nestorianischer Gemeinden in Fernost bekannt. Seine Beschreibung Zentralasiens und der Mongolei umfaßte auch geographische Erkenntnisse, wie die Erkenntnis, daß das Kaspische Meer nicht Teil des Nordmeeres sei.

(Lit. Jackson, P. u. Morgan, D. (Hg.): The Mission of Friar William of Rubruck: His Journey to the Court of the Great Khan Möngke, 1253-1255. Übers. v. Peter Jackson, London:Hakluyt Society 1990; Wilhelmus Rubruquensis: Itinerarium ad partes orientales, in: Anastasius van den Wyngaert (Hg.): Sinica Franciscana Bd. 1: Itinera et relationes Fratrum Minorum saeculi XIII et XIV. Apud Collegium S. Bonaventurae, Firenze 1929, S.164-332; Leicht, H.D. (Hg.), Wilhelm von Rubruk: Beim Grosskhan der Mongolen 1253–1255 (= Alte abenteuerliche Reiseberichte), Stuttgart:Erdmann 2003; Li, T.: Sorkaktani Beki: A prominent Nestorian woman at the Mongol Court, in: Malek, R. u. Hofrichter, P. (Hg.) Jingjiao: the Church of the East in China and Central Asia, Monumenta Serica, St.Augustin:Steyler Verl. 2006, S.349-356); Kartenquelle: University of Washington, Silk Road Maps, https://depts.washington.edu/silkroad/maps/rubruck.html

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