Heidelberg "Pförtner nach Osten"

In Heinrich Eduard Jacob: „Jacqueline und die Japaner. Ein kleiner Roman“ , der vor über 70 Jahren verfasst wurde, kommen folgende Passagen zu Heidelberg und seiner Bedeutung für die japanische Geisteswelt vor:

"Der Japaner schwärmt: 'Heidelberg…ein höchst verehrungswürdiger Ort. Heidelberg, Teehaus der größten Geister. So viele Pfeile die Sonne ausschickt, soviel Gedanken in Heidelberg haben westliche Menschen in Heidelberg gedacht'."

Heidelberg sei aber auch "Pförtner nach Osten“. Goethe habe hier seinen "Westöstlichen Divan" und seine schönsten Orientgedichte geschrieben. Doch die Welt zu Goethes Zeiten sei klein gewesen und habe nur bis zu Mohammed, Allah, Persien und die Türkei gereicht. Heute sei die Welt größer. Wenn Goethe heute lebte , "würde er Buddha und Japan lieben".

Sieben Jahrzehnte nach Heinrich Eduard Jacob schreibt der japanische Germanistikprofessor Yûji Nawata in seinem Vorwort zu Durs Grünbeins "Lob des Taifuns" zu Goethes östlichem Interesse aktuell, fast gleichlautend: "...er erreichte Japan nicht. Weder schrieb er Kettenyrik mit Eckermann, noch verfasste er ein Tagebuch in Haiku. Dies hätte er wohl gemacht, wenn im damaligen Europa die Japanologie der Sinologie nicht nachgestanden hätte...". In diesem Werk habe, vermutet Nawata, der deutsche Dichter Grünbein "mit seinen vier Haiku-Zyklen Goethes west-östliche Fakel übernommen".

In die Heidelberg-Romantik der japanischen Gelehrten passt Grünbein jedoch sehr wenig. Schreibt er doch selbst in seinem erwähnten Haiku-Reisetagebuch: "Aus japanischer Sicht hat der verschwindend geringe Romantikanteil in der deutschen Gegenwartslyrik sicher auch etwas Enttäuschendes..."



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