Ezawa, Kennosuke 江沢建之助 (*1929), Linguist und Hochschullehrer 語学者

Foto Annemete von Vogel

Mehr als fünf Jahrzehnte Leben und Wirken zwischen Deutschland und Japan


"Ich bin ein geborener Großstädter, der die Anonymität und Freiheit liebt...Ich schätze die Provinz mit ihren inneren Tugenden wie Selbstverüberwindung, Bescheidenheit und Stolz. Gleichwohl ist bei mir der Drang nach Freiheit stärker, und zwar nicht einer Freiheit, frei von etwas zu sein, sondern einer Freiheit, frei zu etwas zu sein, zu etwas Neuem, Gutem, Sinnvollem."
(Interview Bernhard F.Müller, DJG Berlin mit Dr. Kennosuke Ezawa, Kawaraban 1/2014, S.21ff)

Dr. phil. Kennosuke Ezawa wurde in Tôkyô am 8.10.1929 geboren.

Nach dem Studium der Germanistik von 1949 bis 1952 und anschliessend der Philosophie an derKeiô Universität begann er dort auch seine akademische Laufbahn als Dozent für deutsche Sprache. Die deutsche Sprache spielte hier traditionell bis heute eine große Rolle. Bedeutung aus dieser Zeit hatten für Ezawa besonders der Sprachwissenschaftler Tsugio Sekiguchi und der Philosoph Masao Matsumo 松本正夫 (1910-1998). 

1958 setzte er seine Studien in Deutschland, zunächst an der Universität in Freiburg fort. Damit begann für den Japaner ein Jahrzehnte währendes Wirken im deutschen Wissenschaftsbetrieb:

1969 wurde Kennosuke Ezawa mit einer Dissertation über Phonetik an der Universität Köln, wo er bei Eberhard Zwirner (1898-1984) studierte, promoviert (Nebenfächer: Germanistik und Philosophie).

Es schloß sich von 1971 bis 1994 über mehr als zwei Jahrzehnte die akademische Tätigkeit als Akademischer (Ober-)Rat  für Linguistik an der Universität Tübingen an. Als Gastprofessor lehrte Dr. Ezawa an der FU Berlin und der Keiô Universität in Tôkyô, von 1993 bis 1994 auch an der Humboldt Universität in Berlin.

Wer wäre besser geeignet eine Brückenfunktion des Verstehens zwischen Deutschland und Japan zu erfüllen als dieser japanische Linguist? Ihm als ausgezeichneten Sprachwissenschaftler stehen hierzu die wichtigsten Instrumente einer grundlegenden Verständigung zwischen Völkern zur Verfügung: die Sprachen, in diesem Fall, deutsche Sprache seines Gastlandes und seine eigene japanische Muttersprache.

Sprache drückt Denken der jeweiligen Kultur aus. Kulturen sind nur auf dem Weg der jeweiligen Sprache zu erfassen.

Diesen Pfad hat Kennosuke Ezawa beschritten und sein Wissen und seine Erfahrungen an seine Studenten in Deutschland und Japan und auch an die deutsche und japanische allgemeine Öffentlichkeit weitergegeben. In diese Richtung ist er zwischen beiden Kulturen, zwischen der deutschen und der japanischen, mühelos und geistreich unentwegt wechselnd, gewandelt.

Zuweilen erhebt er sogar in der Tagesdiskussion in der Presse streitbar sein Wort wie zum Beispiel nach der Erdbebenkatastrophe in Fukushima: "Ein Japaner widerspricht nicht. Aber Hierarchien ersticken Selbstbewusstsein und Kreativität, beklagt der Germanist Kennosuke Ezawa".

Symbol dieser von Dr. Ezawa gebauten Brücke zwischen deutschsprachigen Regionen und Japan ist die "Ost-West-Gesellschaft für Sprach- und Kulturforschung e. V.", die er im Jahr 2000 gegründet hatte. Folglich wurde er zu deren ersten Präsidenten gewählt, eine Aufgabe, die er bis heute erfüllt.  

In zahlreichen Schriften zur linguistischen Themen sind Ezawas wissenschaftliche Leistungen ausgewiesen. Bemerkenswertes Beispiel für sein akademisches Wirken im universitären Alltag ist beispielhaft die Internationale Gabelentz Konferenz 2010 und die "Ausstellung Georg von der Gabelentz in der Berliner Humboldt Universität zur Würdigung dieses großen deutschen Sinologen und Sprachforschers, der ab 1889 Chinesisch und Japanisch an der Berliner Universität lehrte (Ezawa war auch Mitherausgeber der entsprechenden Publikation der Internationalen Vereinigung für Germanistik (IVG).

Auch den großen japanischen Germanisten und Sprachwissenschaftler Tsugiô Sekiguchi hat Kennosuke Ezawa in seinem europäischen Kollegenkreis der Sprachwissenschaft bekannt gemacht.

Doch Kennosuke Ezawa ist kein Bewohner eines akademischen Elfenbeinturms. Er erlebt und verarbeitet seine Erfahrungen in dem deutschen Alltag seit über 50 Jahren bis heute. Mit seiner verstorbenen deutschen Ehefrau hat er zwei Söhne und eine Tochter.

Unter den Söhnen ist der Multimedia-Künstler Kota Ezawa, der 1969 in Köln geboren wurde und heute zwischen den Orten Berlin und San Francisco wirkt, bekannt. Seine Arbeiten (Video 1 ;Video 2) finden sich in zahlreichen bekannten Museen und wurden in internationalen Galerien ausgestellt. Kota Ezawa bildete in der "Samsung Olympic Games Media Art Collection" anlässlich der Olympiade in London 2012 die künstlerische Speerspitze.

Informationen & Quellen 参考文献

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五十年のドイツ生活 「江沢建之助」


1929年にうまれ

慶應義塾大学文学部独文科卒業、大学院文学研究科 (哲学専攻)修了、工学部専任講師(ドイツ語担当)を務めた。

1958年フライブルク大学に留学、

1969年ケルン大学ドイツ語の音声学的研究により哲学博士 のがくい取得。

1971年からテユービンゲン大学でドイツ語ドイツ文学研究所教官。その間ベルリン自由大学、慶應義塾大学の訪問教授、同大学言語文化研究所客員所員となる。

1994年テユービンゲン大学を定年退職。

1993-94年ベルリン・フンボルト大学の客員教授を務めた。

その後、同大学で言語,文化関係のプロジエクトを実行、2000年同大学内に東西言語文化研究協会を設立、理事長となり現在に至る。
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Ezawa, Kennosuke: "Doitsujin no genjitsu. Gojûnen no doitsuseikatsu kara" ("Die Lage der Deutschen. Aus 50 Jahren Leben in Deutschland"). Keiô Gijuku Daigaku Shuppankai, Tôkyô 2006



„Aber Hierarchien ersticken Selbstbewusstsein und Kreativität, beklagt der Germanist Kennosuke Ezawa: Ein Japaner widerspricht nicht"
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