Ôe Kenzaburo 大江健三郎 (*1935), Schriftsteller

"Zarte Schneeflocken taumeln auf die dünnen, fein ineinander verschlungenen Äste der nackten, schwarzen Bäume."

Der japanische Nobelpreisträger Kenzaburô Ôe hat mannigfaltige Beziehungen zum deutschsprachigen Raum, natürlich in erster Linie zur deutschen Literatur. Dazu berichtet er in "Deutschland in meinen Lektürenotizen" (大江三郎 「読書ノートのドイツ」,).  Dazu gibt es gibt zahlreiche Übersetzungen von Ôes Werken in deutscher Sprache.

Entsprechend seinem unermüdlichen gesellschaftlichen Engagement in seiner japanischen Heimat nahm er nicht nur literarisch, sondern aktiv auch am deutschen Alltagsleben Anteil.

Diese Erfahrungen in Deutschland setzte er in Beziehung zu denen in Japan, wie man in seinem Briefwechsel mit Günter Grass nachlesen kan ("Gestern, vor 50 Jahren. Ein deutsch-japanischer Briefwechsel").

Die fruchtbare und tätige Verbundenheit des japanischen Literaten Ôe zur deutschsprachigen Geisteswelt und zur  deutschen Gesellschaft erstreckt sich in seinen Werken bis hin zu sehr persönlichen Eindrücken in Deutschland, so etwa wenn er in seinem Roman "Tagame - Berlin - Tokyo" das grau dunkle Wetter in Berlin beklagt:

大江健三郎




Werkbibliographie Kenzaburô Ôe



Ôe Kensaburô: "Wieviel Unglück verträgt der Mensch" (Video-Gespräch)


Ôe Kensaburô: "Ich bin der Mann des grotesken Realismus" (Video Gespräch)



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"Gorô wollte anscheinend den Himmel malen...Er schreibt unter anderem, dass der Himmel jeden, aber auch jeden Tag verhangen sei und dass es bereits um vier Uhr nachmittags dunkel werde, und dass Berlin im Winter kein Ort sei, an dem man leben könne...Dabei ist die Stimmung, wenn man genauer hinsieht, eher fröhlich." (S.38)

"Hier
(in Berlin) schneit es übrigens heute wohl das erste Mal. Zarte Schneeflocken taumeln auf die dünnen, fein ineinander verschlungenen Äste der nackten, schwarzen Bäume. Manchmal hält sie ein Luftstrom zurück und die unzähligen Flocken stehen still. Ich habe die ganze Zeit zugesehen und wurde ganz fröhlich." (S.54)

"Er sass in seinem Appartement in dem Berliner Wohnviertel, das nicht ruhiger hätte sein können, trank zu einem selbst zubereiteten Abendessen einen spanischen oder italienischen Wein, ohne das jemand zu Besuch gewesen wäre, und versuchte, dem Berliner Winter, der so dunkel wurde, dass man ihn fast mit Händen greifen zu können glaubte, die Stirn zu bieten. Manchmal, wenn er durch das Gewirr der dünnen schwarzen Zweige in den Himmel  sah, an dem schneeträchtige Wolken seit  dem Vormittag immer düsterer aufzogen...."
(S.148)


Kensaburô Ôe war 1999/2000 einer der zahlreichen japanischen Gäste des international renommierten Berliner Künstlerprogramms des Deutschen Akademischen Austauschdienstes.

Alle klimatischen Bezüge Ôes beruhen auf eigenen Erfahrungen aus seinen längeren Aufenthalten in Berlin:

Samuel-Fischer Gastprofessur - Berliner Künstlerprogramm des DAAD

Diese lebenslange Affinität Ôes zum deutschsprachigen Raum wurde dort mit einer im internationalen Vergleich reichen Präsenz seines Schaffens belohnt:

Veröffentlichungen in deutscher Sprache

Otto Putz: Werk-Bibliographie

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